GartenRund ums HausBäume und Pflanzen zurückschneiden – so geht es richtig!

19. November 2018

Das artgerechte und zeitgenaue Zurückschneiden ist für viele Bäume und Pflanzen äußerst wichtig. Viele Hobbygärtner sehen sich dieser Aufgabe jedoch nicht gewachsen, da sie nicht genau wissen, wie man am besten vorgeht und auch, welcher Zeitpunkt der Richtige ist. Eine Antwort auf diese Fragen und warum man Bäume und Pflanzen überhaupt zurückschneidet, bietet unser Artikel.

Warum muss man Bäume zurückschneiden?

Bäume und Sträucher müssen regelmäßig gepflegt werden. Aus diesem Grund bedarf es einem fachgerechten Gehölzschnitt. Zwar können Bäume auch in der Natur ohne Pflege ein hohes Alter erreichen, jedoch verhindert man durch gute Pflege und regelmäßiges Zurückschneiden, dass durch morsche oder gar tote Äste eine Gefahr ausgeht. Gerade im privaten Bereich hat man als Besitzer eines Grundstücks die Pflicht zur Verkehrssicherung und muss die Bäume, die sich darauf befinden, auf ihre Standfestigkeit prüfen und ggf. Totholz entfernen. Ein Rückschnitt sorgt zudem für das Wachstum dicker, stabiler Äste und ermöglicht dem Baum bei korrekter Anwendung ein kontrolliertes Wachstum und das Ausprägen einer schönen, optimalen Krone.

Man möchte mit dem Zurückschneiden die artgerechte und natürliche Entwicklung des Baumes gewährleisten. Daher sollte auch vermieden werden, dass ein Baum zu dicht wächst. Aus diesem Grund werden unterhalb liegende Äste sowie ältere, kleine Zweige, die keine Blüten mehr bilden und daher nicht mehr tragen, vollständig entfernt. Bei Krankheiten sollte ebenfalls für einen Rückschnitt gesorgt werden, um einen weiteren Befall zu verhindern. Trägt ein Baum Obst, kann man durch gezieltes Zurückschneiden sogar die Erträge der Ernte verbessern.

Ahornblätter in der Sonne, Baum Rückschnitt
Ordnungsgemäße Gartenpflege umfasst auch das regelmäßige Zurückschneiden von Bäumen und Sträuchern.

Wie sollte man Bäume zurückschneiden?

Wie bereits erwähnt, ist die Auswahl des Schnitts abhängig vom jeweiligen Vorhaben und dem Ziel, das erreicht werden soll. Bei jungen Bäumen sorgt man durch das geringe Zurückschneiden dafür, dass sich Früchte ansetzen. Damit sich Baumkronen durch ausreichend Licht und Luft richtig entfalten und der Baum gut wächst, empfiehlt sich ein starker Rückschnitt.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen vier Schnittarten:

  • Der Entlastungsschnitt: Mit dieser Schnittart sorgt man dafür, dass der Baum gesund bleibt. Er empfiehlt sich dann, wenn sich sehr lange, ausladende Äste oder eine sehr einseitig gewachsene Krone ausgebildet haben. Es soll vermieden werden, dass die Äste aufgrund starker Belastung durch Schnee oder Wind abbrechen. Beim Entlastungsschnitt werden ebenfalls durch Schädlingsbefall oder Sturm beschädigte Äste entfernt.
  • Der Ertragsschnitt: Diese Art von Rückschnitt ist vor allem bei Obstbäumen wichtig. Hierbei werden überflüssige Äste und Blätter entfernt, damit der Baum sich auf die Blätter der fruchttragenden Äste konzentrieren kann. Außerdem wird die Baumkrone ausgelichtet.
  • Der Formschnitt: Durch das Entfernen überflüssiger Äste und der Verkleinerung des Kronendurchmessers sorgt diese Art von Schnitt dafür, dass der Baum in Form bleibt und optisch ansprechend aussieht.
  • Der Pflanzschnitt: Diese Art von Rückschnitt sorgt vorrangig für ein verbessertes Wachstum von Bäumen und deren Kronenbildung. Hierbei schneidet man den Baum auf den Haupttrieb und lediglich drei bis vier Nebentriebe zurück.

An einem sonnigen Tag ohne Frost zwischen November und Februar kann man zudem zur Pflege einmal jährlich einen Auslichtungs- bzw. Verjüngungsschnitt vornehmen. Dieser kann erfolgen, sobald ein Baum das Laub abgeworfen hat und bevor er neu austreibt. Dabei werden beschädigte, kranke oder gar tote Äste entfernt oder zu eng stehende, die sich reiben oder kreuzen, ebenfalls abgeschnitten. Bei Zierhölzern sollte eine Auslichtung spätestens alle drei Jahre erfolgen, wobei man an der Basis mehrere ältere Äste entfernt.

Bei alten, kaum mehr treibenden Bäumen sollte man die Verjüngung ebenfalls anwenden. Dabei entfernt man etwa bis die Hälfte der Krone bzw. der einzelnen Triebe durch Rückschnitt. Generell setzt man ein bis zwei Zentimeter direkt hinter dem Astring an und schneidet bzw. sägt leicht schräg von oben nach unten. Bei dicken Ästen lässt man circa einen Zentimeter zum Stamm hin stehen. Beides dient zur Vermeidung des Pilzbefalls.

Achtung: Ist der Rückschnitt erfolgt, sollte man die Schnittwunden mit einem Wundschutzmittel pflegen. Dies verhindert zusätzlich das Eindringen von Pilzen. Außerdem sollte man auf ein scharfes Werkzeug achten, um einen sauberen Schnitt ohne Quetschungen zu gewährleisten.

Wann sollte man Bäume zurückschneiden?

Vor allem bei Obstbäumen ist es wichtig, diese nicht zu spät zurückzuschneiden, da diese sonst nicht mehr richtig austreiben und lediglich eine geringe Anzahl an Früchten tragen. Jedoch hängt der ideale Zeitpunkt generell von der Art des Baumes ab. Für viele Arten ist ein Rückschnitt in den späten Herbstmonaten, im Winter oder dem Vorfrühling optimal, da diese sich dort in der Ruhephase befinden und kaum Nährstoffe verlieren. Zudem kann man die Stellen, an denen man schneiden muss, besser erkennen, da viele Baumarten kein Laub tragen.

Baum und Baumkrone zurückschneiden
Falls Äste und Laub ein Hindernis darstellen oder auf Grundstücke des Nachbarn ragen, ist ein Rückschnitt auch oft zwingend notwendig.

Vermeiden sollte man hingegen das Zurückschneiden der Bäume bei Frost, da man Probleme bekommt, eine saubere Schnittkante zu erzeugen. Baumarten, die früh treiben, schneidet man am besten direkt im Herbst nach dem Abwurf des Laubs zurück.

Auch hier gilt, dass sich je nach gewünschtem Ziel der Rückschnitt zu einer bestimmten Jahreszeit empfiehlt. Man unterscheidet zwischen dem Sommerschnitt und dem Winterschnitt.

Vorteile des Sommerschnitts:

  • Zierhölzer erreichen eine üppigere Blüte und ein dichteres Blattwerk
  • Man kann das Wachstum gezielt reduzieren
  • Durch die Auslichtung verringert man das Risiko für Pilzkrankheiten.
  • Man erkennt kranke oder tote Äste besser, da sie nicht belaubt sind
  • Schnittwunden verheilen in der Regel besser und verbleiben ohne Wundverschluss

Vorteile des Winterschnitts:

  • Das Risiko der Krankheitsübertragung ist geringer, da diese eher bei wärmeren Temperaturen erfolgt
  • Man erkennt die Äste zur Korrektur und Optimierung besser, da sie kein Laub tragen
  • Besitzt ein Gehölz lediglich schwaches Wachstum, kann man durch den Rückschnitt im Winter dafür sorgen, dass dieses seine Kraft beim Austreiben im Frühjahr lediglich auf starke Triebe konzentriert

Warum muss man Pflanzen zurückschneiden?

Beim Pflanzen zurückschneiden geht es vorrangig darum, eine dauerhafte Verbesserung des Aussehens durch prachtvolle Blüten und ein nachhaltiges gesundes Wachstum zu erreichen. Jedoch sollten die entsprechenden Maßnahmen gut überlegt sein. Abhängig davon, welche Art von Rückschnitt man anwendet, kann man beispielsweise ein erneutes Aufblühen oder einen stärkeren Wuchs im Frühjahr erreichen. Weiterhin kann man der Behinderung neuen Wachstums nach dem Winter oder der Entstehung von Erkrankungen der Pflanze durch Pilze entgegenwirken, indem man abgestorbene Teile zurückschneidet.

Zwar lassen sich keine Grundregeln für den Pflanzenschnitt definieren, jedoch ist es nie empfehlenswert, ständig an einer Pflanze herumzuschneiden, da durch jede Wunde Keime und Erreger eindringen können, die Krankheiten verursachen. Es lässt sich auch nicht pauschal sagen, dass jede Pflanze, die im Hochsommer in ihrer Blüte steht, grundsätzlich zurückgeschnitten werden muss.

Kirschbaum, Kirschblüte
Sträucher und Pflanzen können auch immer dann zurückgeschnitten werden, wenn Äste krank und alt geworden sind, die Pflanze zu langsam wächst oder eben zu groß geworden ist.

Beim Schnitt gibt es zudem große Unterschiede. Bei manchen Pflanzen reicht das Entfernen abgestorbener oder verblühter Teile, bei anderen ist ein radikaler Rückschnitt notwendig. Wenn man sichergehen will, dass man den Schnitt richtig anwendet, sollte man sich vorher genauestens über die Anforderungen der jeweiligen Pflanze informieren.

Wie sollte man Pflanzen zurückschneiden?

Für das Pflanzen zurückschneiden eignet sich, sofern diese nicht verholzt sind, ein scharfes Messer. Bei verholzten oder dicken Trieben kommt eine Gartenschere zum Einsatz. Allgemein unterscheidet man zwischen einfachen und kräftigen Rückschnitten:

  • Einfacher Rückschnitt: Bei dieser Form des Rückschnitts wird lediglich der obere Teil eines Triebes leicht gestutzt, um dessen Verzweigung zu verbessern. Man kürzt den Trieb knapp über dem ersten schlafenden Auge, welches man daran erkennt, dass sich die Rinde leicht wölbt.
  • Kräftiger Rückschnitt: Möchte man in verstärktem Maße seine Pflanze zurückschneiden, eignet sich diese Form des Rückschnitts. Dabei schneidet man den Trieb im unteren Bereich ab, wobei auf jeden Fall ein schlafendes Auge daran verbleiben sollte, da der Trieb sonst abstirbt.

Möchte man behutsam vorgehen, eignet sich statt dem Pflanzen zurückschneiden auch das Ausbrechen der Triebe, das mit einem leichten Rückschnitt vergleichbar ist. Dabei bricht man die kurze Spitze eines Triebs mit dem Nagel des Daumen und Zeigefingers direkt über dem ersten oder zweiten Auge aus. Dies erkennt man daran, dass an diesem Punkt ein oder zwei Blätter sprießen. Dieses Vorgehen empfiehlt sich, wenn Stecklinge mit frischen Wurzeln sehr schnell und kräftig wachsen oder schnell wachsende Pflanzen sehr lange Triebe entwickeln.

Wann sollte man Pflanzen zurückschneiden?

In der Regel schneidet man Pflanzen im Frühling und Herbst zurück. Ein wichtiger Anhaltspunkt für das richtige Ausmaß und den richtigen Zeitpunkt, an dem man die Pflanzen zurückschneiden soll, ist deren jeweilige Blütezeit. Generell gilt folgende Faustformel: Frühblüher unmittelbar nach deren Blüte, Spätblüher im Frühjahr zurückschneiden. Dabei gilt unabhängig von der Art der Pflanze, dass der Rückschnitt im Herbst weniger drastisch erfolgen sollte, da verbleibendes Blattwerk oder Halme vor Frost und Kälte schützen. Außerdem könnte ein zu starker Schnitt das Immunsystem der Pflanze derart schwächen, dass diese im Winter schlicht erfriert.

Abgestorbene oder verblühte Bestandteile der Pflanze sollten jedoch rechtzeitig vor dem ersten Austrieb entfernt werden, da diese sonst das Wachstum einschränken und bei Feuchtigkeit Pilzerkrankungen fördern können. Der kräftige Rückschnitt der Pflanzen erfolgt im Frühjahr, da sie durch die Wärme der Sonne starkes Wachstum erfahren und somit eine farbenfrohe, üppige und gesunde Pracht erreicht werden kann. Was es beim Rückschnitt zu den jeweiligen Jahreszeiten zu beachten gibt, zeigt folgender Abschnitt:

  • Pflanzen zurückschneiden im Frühjahr

Bei vielen Zierpflanzen, die aus den Trieben des vorangegangenen Jahres Blüten bilden, ist es wichtig, dass man diese im Frühjahr zurückschneidet. Damit kann man sichergehen, dass diese ausreichend Zeit haben, die Wunden durch den Rückschnitt rechtzeitig vor dem Winter verheilen lassen zu können. Dadurch wird das Eindringen von Krankheitserregern verhindert. Je nach Stärke des Rückschnitts wachsen entweder viele neue und schwächere oder wenige, jedoch kräftige Triebe.

  • Pflanzen zurückschneiden im Sommer

Ein Rückschnitt der Pflanzen im Sommer empfiehlt sich entweder zu Beginn des Sommers, im Hochsommer oder im Spätsommer. Hat eine Pflanze bereits im Frühjahr geblüht, sollte man sie im Sommer ausputzen, um einen Befall durch Pilze durch faulende Blütenteile bei Feuchtigkeit zu vermeiden. Schneidet man die Pflanzen rechtzeitig zurück, erlebt man teils eine erneute Blüte. Schneidet man gezielt zurück, nimmt man daher Einfluss auf den Zeitpunkt der Blüte.

Pflanzen zurückschneiden
Pflanzen sollten generell im Frühling oder Sommer zurückgeschnitten werden. Im Winter empfiehlt sich ein Rückschnitt allerdings nicht, da die Pflanze dadurch eher geschädigt wird.
  • Pflanzen zurückschneiden im Herbst

Wie bereits erwähnt, empfiehlt sich im Herbst kein drastischer Rückschnitt mehr, um die Pflanzen nicht dem drohenden Kältetod im nahenden Winter auszuliefern. Das Wachstum vieler Pflanzen ist bereits reduziert, weshalb junge Triebe nicht mehr ausreichend genug heranwachsen würden, um den Winter zu überstehen. Lässt man Blätter, Blüten oder Stängel hingegen stehen, sorgt man für einen gewissen Schutz der Pflanze vor der Kälte. Wird im bevorstehenden Winter reichlich Schnee erwartet, der ebenfalls vor Frost schützen kann, ist ein Rückschnitt jedoch durchaus naheliegend.

  • Pflanzen zurückschneiden im Winter

Generell sollte man das Pflanzen zurückschneiden nicht im Winter vornehmen, da vor allem bei Frost die Pflanze an den wunden Schnittstellen erfrieren oder absterben kann. Lediglich wenige Pflanzen könnten einen Rückschnitt im Winter aushalten.

 

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